Chronik von 1319-1800
8. März 1319: Die älteste Urkunde über eine Fläche der ehemaligen Gemeinde Dahlbruch ist laut Siegener Urkundenbuch von Dr. F. Philippi vom 8. März 1319. Graf Heinrich von Nassau tauscht hierbei mit dem Kloster Keppel ein Gut in der Breitenbach gegen die Kirche zu Wehbach, in der Nähe von Lützel (heute Wehbachtal). Hierbei werden auch Felder in der Heerlebach (heute Hörbach) genannt. Wahrscheinlich bestand Dahlbruch zu dieser Zeit noch nicht.
1319: Ein Bauernhof wird am Abhang des Krackertsberg urkundlich erwähnt, ob dies der Anfang von Hillnhütten war, ist ungewiss. Wörtlich heißt es „gut zu dem Vorwerke, da Krakruwer uffe wonde“.
21. August 1345: An diesem Tage wird zum ersten Mal die später nach Dahlbruch eingemeindete Ortschaft Winterbrecht, die heutige Winterbach urkundlich erwähnt. An diesem Tage schwört eine Familie Henkin Visil von der Winterbrecht das bittere Los, des gepfändeten Hofes in der Breitenbach. Sie bekundet dieses vor der Kirchengemeinde auf dem Ferndorfer Friedhof. Als Zeuge hierbei wird ein Tilo von Merklingkusen vermerkt. Es war bestimmt ein Einwohner aus dem, vermutlich im 30jährigen Krieg ausgestorbenen Ort Merklinghausen, dessen Wüstung heute zur Gemarkung Müsen zählt.
1417: Der Ortsteil Schweisfurth wird zum ersten Mal urkundlich erwähnt. Und zwar wird unter den gräflichen Einkünften, es waren 3 Malter Korn und 7 Malter Hafer, der ,,hoff tzu Schweynsfort’’ genannt.
1438: Adelheid, die Tochter des Grafen Johann der 2. von Nassau mit der Haube, wird im Kloster Keppel aufgenommen. Sie bringt als Aussteuer den herrschaftlichen Hof zu Schweisfurth mit.
Um 1450: Im 15. Jahrhundert errichtete ein Gewerke Hilln eine Hütte. Es ist anzunehmen, dass durch diese Gründerfamilie der Ort den Namen Hillnhütten bekommen hat. Der Familienname Hilln ist nämlich 1571 in Müsen vorhanden gewesen.
1461: Von einem Gadert von der Sweynsvert wird berichtet.
1461: Im Schatzungsregister wird ein Hans zu Winterbrecht vermerkt.
1463: Von der Heinrichshütte zu Winterbach wird berichtet, dass sie 4 Jahre wüst gelegen hat.
1467: Der Name Dahlbruch wird erstmals erwähnt.
Anno (14)67: Hermanus Ylquart rechinschaff Inneman brechtzenden und zolle van dem brechmeister van Moyssen Item Hermans brech zom Dailbroche off der hogen Groben 8 foder steins, ye dat foder 11 ß, hait yme myn gnediger joncker 2 jere gefriget
Übersetzt: Anno(14)67 Hermann Illequait Rechenschaft Einnahmen Bergzehnt und Zoll von dem Bergmeister von Müsen ebenso Hermann Berg zum Dahlbruch von der hohen Grube 8 Fuder Stein, je das Fuder 11 Schiling, hat ihm mein gnädiger Herr (gemeint ist Johann IV. Graf von Nassau) 2 Jahre gegeben.
Diese Renteirechnung von 1467/1468 befindet sich beim Nordrhein- Westfälischen Staatsarchiv in Münster.
1480: Eine Blashütte wird zum ersten Mal erwähnt. Es war ein Hüttenwerk mit Hochofen und vielen Kohleschuppen und Lagerstellen für Erzvorräte vorhanden. Aber auch eine Schlackenpoche und Sägemühle waren da. Zu dem Komplex gehörten auch zwei oberschlächtige Wasserräder. Hierzu waren oberhalb der Hütte nach der Winterbach zwei Hüttenweiher angelegt, in den jetzt mit dem Namen Hüttenwiese bezeichneten Wiesen. Die Hütte war, wie es bei allen Siegerländer Hütten der Fall war, im Besitz vieler kleiner Gewerke. Jeder Gewerke verhüttete seinen eigenen Eisenstein mit seinen eigenen Holzkohlen. Daher auch die vielen Schuppen.
1504: Der Name Dahlbruch tritt zum zweiten Mal in Erscheinung und zwar in Verbindung mit einer Blashütte ’’Auf dem Dahlbruch’’. Die Hütte stand einst auf dem Gelände, wo heute das Gebrüder-Busch-Theater und Haus Weiss, Hüttenweg 4, stehen.
1519: In diesem Jahr tagt das Freistuhlgericht an der breiten Eiche, auf dem heutigen Dornbruch, wegen einer Hoffrau aus der Winterbach. Die Frau wurde nach einer Ortsbesichtigung, da sie binnen der Landhecken, Grenze zwischen Siegerland und Sauerland, Kohlen gebrannt hatte, verurteilt.
1563: Dahlbruch hat eine Einwohnerzahl von 36 Seelen. Es waren 3 Wohnhäuser vorhanden und 63 Stück Rindvieh wurden gehalten. Es war ’’dr Hingern’’ (Standort Hausmeisterwohnung der Hauptschule) ’’dr Mttelste’’ (Augenarzt Stahl) und ’’dr Nerern’’ (Fritz Weber). Durch diese drei Gehöfte wird Dahlbruch auch heute noch von älteren Menschen im Volksmund Dreidorf genannt.
1580: Eine Barbara zu Schweisfurth wird von der Zunft der Massenbläser in Strafe genommen, weil sie auf der Blashütte ’’Zum Lohe’’ gehüttet hatte. Bereits 1577 hatte sie gelobt, sich das Blasen auf dieser herrschaftlichen Hütte gänzlich zu enthalten.
1582: Der Familienname Dahlbruch taucht erstmals in den Kirchbüchern auf.
1599: In diesem Jahr werden 2 Lehnsgüter aufgeführt, die im Besitz der Brüder Johann und Ludwig Schweis sind. Sie haben an einer Furt der damals breiten Ferndorf gelegen und dadurch den Namen Schweisfurth entstehen lassen.
Vor 1600: Hatte Ferndorf eine Kirchspielschule. Da Dahlbruch und die Schweisfurth nach Ferndorf eingepfarrt waren, konnten die Jugendlichen auf freiwilliger Basis in diese Schule gehen. Es gab keinen Schulzwang.
Bis 1627: Die Dahlbrucher wurden bis 1627 auf dem Ferndorfer Friedhof, der um die Kirche lag, beerdigt.
1627: Müsen, Dahlbruch, Winterbach, Merklinghausen und Schweisfurth werden von der Kirchengemeinde Ferndorf ausgepfarrt und Müsen wird mit den anderen Orten selbständige Kirchengemeinde. Auch die Toten werden ab diesem Zeitpunkt um die Müsener Kirche, es war damals noch eine Kapelle, beigesetzt. Zu dieser Zeit bis 1636 wütete die Pest im Ferndorftal und bescherte sehr viele Tote. Die Zahl war so groß, dass sie nicht mehr alle auf den Friedhöfen beigesetzt werden konnten, und es wurde die Beisetzung auch auf dem eigenen Boden vorgenommen.
1627: Die Müsener Schule, die ab etwa 1600 bestand, wurde 1627 in eine Kirchspielschule verwandelt. Die Dahlbrucher und die Schweisfurther Kinder mussten nun im Winter in diese Schule, denn im Sommer war kein Unterricht.
1743-45: Der katholische Pfarrer zu Netphen beklagt sich bei der Regierung, dass die Reformierten von Hillnhütten ihr bisheriges Gefälle an Hafer, Brot und Hühnern zu zahlen verweigern und alles ihrem Prediger entrichten. Die Grenze der Kirchengemeinde Netphen war seinerzeit die Ferndorf. Somit gehörte alles was links der Ferndorf war zur Kirchengemeinde Netphen. Hillnhütten zählte auch dazu.
Um 1750: Dahlbruch und die Schweisfurth trennten sich vom Müsener Schulverband und versuchten eine eigene Schule zu gründen. Viele Jahre war kein eigenes Schulgebäude vorhanden. In Stephans Haus in der Hochstraße wurde eine Schulstube eingerichtet.
23. August 1759: Es wurde erstmals ein schriftlicher Vertrag zwischen dem Stift und sämtlichen Lehnhofsleuten abgeschlossen, der die beiderseitigen Rechte und Pflichten festlegte. Alle früheren Pachtbedingungen beruhten auf mündlicher Vereinbarung. Als Erblehnsträger in Dahlbruch unterschrieben : 1. Johann Heinrich Jüngst, 2. Johann Franz Braun, 3. Johann Jakob Freudenberg, 4. Johann Georg Gläserner, 5. Hermann Braun’s Wittib und 6. Johann Georg Schreiber’s Wittib. Die beiden Frauen waren wie ausdrücklich erwähnt wurde, des Schreibens unerfahren und ein Nachbar hat für sie die Unterschrift gegeben. Aber auch 2 Männer aus der Winterbach, 4 von Hillnhütten und 2 von der Schweißfurth unterzeichneten als Lehnhofsleute.
25. Mai 1769: Demnach des Prinzen Hoheit, dem Consistorial Secretario Schenk in Siegen. Die nachgesuchte Concession, einen Reckhammer auf dem Wasserfall bey Dahlbruch anlegen und betreiben zu dürfen, unter folgenden Conditionen gnädigst zuzustehen geruhet. a) dass noch abgehende Gehölz auswärtig anzuschaffen, b) durch den anzulegenden Teich oder Graben ineinander Schaden noch solchen Fischen, c) dieser zu errichtende Reckhammer den Teich oder das Wehr bey Hillnhütten, mit dem Loheschen Hüttenwerk zur Hälfte unterhalten, d) durch Anhalten oder Abwenden des Wassers eben gedachten herrschaftlichen Hüttenwerks keine Hindernisse machen. e) Der Reckhammer nur mit Steinkohlen getrieben, f) hauptsächlich Stahl darauf raffiniert, g) sothanes Stahl und Eisen nirgends als im Siegen’schen gekauft und endlich h) jährlich um Martini gleich, 6 Stüber Wasserzinsen an die herrschaftliche Kasse entrichtet werden soll. Als wird solches demselben zur Nachricht hiermit bekannt gemacht. Dillenburg, den 25. May 1769. Fürstliche Landesregierung hierselbsten gez. Spanknabe.
1781: Die Fürsten von Nassau wollten, wie es damals üblich war, den blauen Dunst verbreiten. Sie ließen deswegen auf der Schweisfurth eine Tabakfabrik bauen. Der Bestand dieser Fabrik war nicht von langer Dauer.
1782: Es kam zu einem beachtlichen und langen Gemeindebeschuss: „So notwendig es eines jeden Menschen Pflicht ist, vor Gott und den Menschen ein frommes Leben zu führen, so viel mehr ist es insbesondere rechtschaffener Eltern Pflicht, welchen Gott Kinder der Liebe geschenkt hat, dass sie dieselben zur Ehre Gottes und zum Nutzen der menschlichen Gesellschaft auferziehen sollen. Deshalb sollen auch für Kinder Pflanzschulen aufgerichtet werden, worin dieselben von geschickten Schulmeistern unterwiesen und ihnen die Anfangsbuchstaben von Gott und seinem Wort beigebracht werden usw.“ Das Lesebuch war seinerzeit die Bibel. Die Gründung der Schule wurde durch die Unterstützung der nassauischen Landesfürsten ermöglicht. Nun begann erst die große Not. Die zehn Familien konnten bei ihrer großen Kinderzahl nicht noch zusätzlich einen Schulmeister ernähren. Folgende Notregelung wurde getroffen: „Der Schulmeister soll mit diesem angehenden 1872ten Jahre in jedes Haus gehen an die Kost drei Tage lang, sowohl bei dem der keine Kinder hat, als bei dem, der viele Kinder hat und zwar durch das ganze Jahr.“ Die Familien mussten wiederholt an ihre Verpflichtungen erinnert werden.
1784: Das erste Schulhaus wurde in Dahlbruch auf dem heutigen Ernst-August-Platz gebaut. Ein Entwurf, den die Länderregierung in Dillenburg aber nicht genehmigte, sah ein zweistöckiges Gebäude vor. Im unteren Teil sollte ein gemeinschaftliches Backhaus angelegt werden. Das Schulgebäude wurde 1873 abgerissen.
Um 1790: Die Familie Braun hatte 24 Kinder (zwei Mütter ein Vater). Im Nachbarhaus Jüngst, wohnten 14 Kinder. Und die Familie des Faktors Wilhelm Freudenberg hatte 10-mal Kindtaufe. Es war eine kinderreiche Zeit in Dahlbruch.
06.April 1790: Der Dahlbrucher Reckhammer ging für einen Kaufpreis von 1600 Thalern in den Besitz des Gewerken Johannes Klein, Ferndorf. Dieser vererbte ihn wieder an seinen Sohn Adolf Klein, wohnhaft in Siegen.
1798 bis 1803: Aus einem Notizbuch von Johann Jochem geht hervor, dass er bei der Gemeinde Dahlbruch als Lehrer angestellt ist. Im Sommerhalbjahr fällt der Schulbetrieb immer noch aus, da die Kinder zu Hause helfen müssen. Er vermietet sich jedes Jahr neu, von Oktober bis April, also 7 Monate, bei einem Bauer. Der Lohn betrug im Jahre 1800 4 Rhtl. und ein Paar Schuhe. Die Zahlung erfolgte in unregelmäßigen Raten im Laufe des Sommers.