Chronik von 1800-1900

 

1800: Dahlbruch hatte 6 Wohnhäuser mit gleicher Familienzahl und eine bewohnte Ziegelhütte zu der aber kein Grundbesitz gehörte. In der Schweisfurth waren vier Wohnhäuser mit gleicher Familienzahl. 

nach 1800: In Dahlbruch wurden mehrere Scheunen zu Wohnhäusern umgebaut und die Einwohnerzahl stieg. 

1815: Dahlbruch hat eine Einwohnerzahl von 167. 

21.Juni 1817: Heftiges Gewitter über Dahlbruch. Die Wassermassen waren so groß, dass jedem Hauseigentümer 50 bis 60 Karren Erde weggespült wurde. Dem Peter Freudenberg vorm Henchen sind sogar 150 Karren mitgenommen worden. Der Schaden für Dahlbruch belief sich auf 1000 Reichsthaler. Nachdem es eine halbe Stunde geregnet hatte, kam das Winterbacher Wasser beim Hüttenweiher wie eine Walze über die Wiese. 

1824: Die Gemeinde Hillnhütten schließt sich unter folgender Bestimmung der Schulgemeinde Dahlbruch an: „Für diese Teilnahme hat die Gemeinde Hillnhütten ein für allemal die Summe von einhundertzwanzig Gulden Handels Cours bar bezahlt.“ 

1828: In Hillnhütten entsteht die erste Gerberei. Besitzer waren die Familien Loos und Böcking. 

1830/35: Es wurde die Chaussee, die heutige B 508, von Kreuztal ins Wittgensteiner Land gebaut. Für die Dörfer im oberen Ferndorftal, somit auch für Dahlbruch, gab es einen enormen wirtschaftlichen Aufschwung. 

1832: Es wurden zwei weitere Gerbereien in Hillnhütten errichtet. Eine war im Eigentum der Familie Sapp, und die dritte gehörte Herrn August Klein. 

Um 1833: Auf den neu errichteten Kunststraßen wurden Barrierestellen mit Schlagbäumen errichtet. Im Gegensatz zu den damaligen Hohlwegen waren diese künstlich angelegt worden, daher auch der Name. Auch auf der Müsener Straße, bei der Ziegelbrennerei (heute Zahnarzt Grieb), wurde ein Schlagbaum gesetzt. Für jedes passierende Stück Vieh wurde ein Betrag erhoben. Fohlen, Kälber, Ziegen, Schweine und Schafe, die einzeln oder unter 5 Stück geführt wurden, waren gebührenfrei. Aber auch für Karren und Kutschen jeder Art musste bezahlt werden. Ackerbesitzer innerhalb ihrer Gemeindegrenze oder Feldmark waren gebührenfrei. 

1833/34: Die Gewerken errichteten eine neue Blashütte, die alte war seit einiger Zeit schon niedergerissen worden. Der alte Ofen, der etwas weiter südöstlich stand, wurde noch mit drei Lederspitzbälgen betrieben und lieferte täglich 3000-4000 Pfund Eisen. Reichten die Aufschlagwasser bei starkem Frost nicht aus, musste der zuständige Gewerke ein paar Leute stellen, die von einem Blasebalg auf den anderen sprangen und so das Gebläse in Gang hielten. Mit dem neuen Ofen wurden täglich acht und später nach Erhitzung der Gebläseluft, zehn- bis zwölftausend Pfund produziert. Der Ofen war 26 Fuß (etwa 7,5 m) hoch und hatte ein Zylindergebläse für die Luft. Auch die neu erbaute Hütte durfte nur 90 2/3 Tage hütten. Diese setzten sich aus 48 Erbtagen; 6 Angeh-, Ablös-, Armen- und Hüttenschultheistagen; 6 Sammeltagen; 30 übernommenen Allenbacher Hüttentagen und 2/3 Knappschafts Kassentagen zusammen. Die Hütterei begann im Oktober oder November. Der Termin richtete sich nach dem Wasserstand. Diese Hütte war für Dahlbruch schon wichtig, denn im Sommer fuhren die Bauern bei Regenwetter den Eisenstein für auswärtige Gewerken und besorgten im Winter das Rösten desselben. 

08.November 1834: Die 4 Söhne von Adolf Klein bauten den Dahlbrucher Reckhammer in eine Gießerei um. Die neue Firma hieß laut Concessionsurkunde, „Gebrüder Klein – Dahlbruch, Eisengießerei in Dahlbruch“. Die Leitung übernahmen August und Wilhelm Klein. 

1840: Hillnhütten hatte 9 Wohnhäuser, in denen 15 Familien wohnten, darunter 4 katholische. Die Einwohnerzahl betrug 130. 

1844: Die Familien Böcking, Gießler und Meinhardt in Hillnhütten verpflichten den 20 jährigen Unglinghäuser Jakob Heinrich Schmick, der gerade seine Lehrerprüfung mit der Note sehr gut bestanden hatte, zum Privatlehrer. Schmick stieg später zu einem der bedeutensten Männer des Siegerlandes empor. 

1846: Zwischen B508 und Hochstraße wird der erste Friedhof in Dahlbruch angelegt. Aber auch Schweisfurther und Hillnhüttener werden hier beerdigt. 

1848: In diesem Jahre wurde bei Gebr. Klein die erste Dampfmaschine montiert und die Wasserräder wurden abgerissen. 

1848: In Dahlbruch wird die Bürgerwehr gegründet. Es ist ein Schutzverein für die Gemeinden Dahlbruch, Schweißfurth und Winterbach. 

Um 1850: Hillnhütten, welches kaum Waldbesitz hatte, zählte zu den reichsten Orten des Siegerlandes. Die Einwohner waren in Besitz von einem Reck- und einen Stahlhammer sowie 3 blühenden Gerbereien. Da die Gerblohe und die Häute knapp wurden, musste alles eingeführt werden. Lohe wurde zusätzlich aus den benachbarten Kreisen, von der Mosel, aus Frankreich und Ungarn bezogen. Die Felle zum Gerben kamen in gesalzenem Zustand aus Amerika. Sie wurden über Händler von Antwerpen aus vertrieben. 

02.März 1850: Die preußische Regierung verabschiedet das Rentenbankgesetz. Dies sah unter anderen vor, dass Erblehnsträgern durch eine einmalige Abfindungssumme die Besitzergreifung der bewirtschaften Erblehnsgüter möglich wurde. Die dafür zu zahlende Summe war der achtzehnfache Betrag der jährlichen Abgaben. Dieses Gesetz hat ermöglicht, dass alle Lehnsgüter der Gemeinde Dahlbruch in den Besitz der auf ihnen wohnenden Familien übergingen. Die Orte des oberen Ferndorftales, sowie einige Orte aus der Gemarkung Netphen waren Jahrhunderte lang in wirtschaftlicher Abhängigkeit von dem Stift Keppel, das einen enormen Besitz hatte. 

1854: Dahlbrucher Rohstahl-Hütten-Gewerkschaft bittet um Aufstellung einer Dampfmaschine von 12 PS zum Betrieb des Zylindergebläses. 

1856: Die Dahlbrucher Hütte wird an den neu gegründeten Cöln- Müsener Bergwerksverein verkauft und in den 1860er Jahren stillgelegt. Der Aktienverein legte seine Produktionsstätte an die inzwischen gebaute Ruhr-Sieg Eisenbahnstrecke nach Kreuztal (heute Blefa), wo moderne Hochöfen in Betrieb genommen wurden. Der Zerfall der Hütte war hiermit eingeläutet worden. Ein Gebäude nach dem anderen wurde abgerissen. Zuletzt die baufällig gewordene Schneidemühle, die auch mit einem oberschlächtigen Wasserrad angetrieben wurde. 

1856: Gebr. Klein Dahlbruch bauen das erste komplette Walzwerk für Luppen und Bleche. 

1857: Es wurde eine kleine kath. Volksschule erbaut. 

1858: Die BKK (Betriebskrankenkasse) der Gebr. Kein Dahlbruch wird gegründet. Sie besteht heute noch unter dem Namen BKK der Siemag und zählt zu den ältesten Krankenkassen des Siegerlandes. 

1859: Hillnhütten wurde vom Kirchspiel Netphen nach Müsen umgepfarrt. 

1861: Dahlbruchs Einwohner haben sich innerhalb von 50 Jahren verdoppelt, es sind nun 374 Personen. 

13.Februar 1865: Margarethe Wolff wird die Erlaubnis zum Kleinhandel mit geistigen Getränken nicht erteilt, denn im Bezirk Müsen-Dahlbruch-Lohe bestehen 10 Schankwirtschaften. „Der Trunksucht und der Völlerei muss gesteuert werden.“ 

22.Dezember 1866: Es wurde beschlossen, das Amt des Flurschützen und Nachtwächters Wilhelm Krämer aus Girkhausen zu übertragen. Er wurde 3 Monate später wegen Schwerhörigkeit und schlechten Manieren entlassen. Viele Jahre war ein stetiger Wechsel in diesem Amt. 

14./15. Februar 1867: Durch eine gewaltige Feuersbrunst wurde das Werk der Gebr. Klein fast vollständig vernichtet. Noch im selben Frühjahr wurde mit dem Wiederaufbau nach modernen neuzeitlichen Gesichtspunkten begonnen. Von der Feuerversicherung wurden für diesen Brandfall 36401 Thaler, 5 Sgr. und 5 Pfg. gezahlt. 

1870: Der Ortsverein der Maschinenbau- und Metallarbeiter Dahlbruch wird ins Leben gerufen. 

1870/71: Im deutsch-französischen Krieg waren 22 Männer aus Dahlbruch. Es waren 3 Tote zu beklagen. Unter ihnen war auch Dr. Vogel, der als Arzt am Krieg teilnahm. Er wurde erschossen als er einem verwundeten französischen Soldaten Hilfe geben wollte.
 

1871 bis 1883: Dahlbruch hatte eine sparsame Verwaltung. Zum Jahresende war immer noch ein Plus vorhanden. Nur im Jahre 1871 waren die Ausgaben, bedingt durch den Krieg, um 11 Taler höher als die Einnahmen. Der Gemeinderat begrenzte meistens seine Tätigkeit auf eine Sitzung. Gemeindevorsteher und Gemeindevertreter werden immer wieder gewählt und scheiden oft erst durch Alter oder Tod aus. 

07. März 1872: Die Gebr. Klein stellen einen Bauantrag für ein Arbeiterschlafhaus in der Karl-Kraus-Straße. Es ist ein etwa 30 Meter langes Fachwerkhaus und hat bereits vorher auf der Grube Brüche gestanden. Da es von besonderer Bedeutung war, wurde es saniert und sieht heute prächtig aus. Zuvor hat man sich aber über 10 Jahre gerichtlich um den Erhalt gestritten. 

1873: Neben dem alten, entsteht ein neues Schulgebäude. Baumeister war Wilhelm Müller von der Schweisfurth. Das alte Gebäude wurde abgerissen. 

Herbst 1873: Das alte Fachwerk - Schulgebäude stand etwa 20 Meter vor dem jetzigen. Es wurde auf dem Weg nach Müsen, (heute Müsener Straße) wieder aufgebaut und zwar zwischen den später errichteten Häusern Metzgerei Kilian und Otto Dornhöfer. In dem Häuschen war mal einige Jahre eine Drogerie aber sonst wurde es bis heute als Wohngebäude genutzt. Erwähnenswert ist noch, dass die Gemeinde Dahlbruch das Gebäude genau in den uralten Hohlweg, der aus dem Loher Wald kam, setzte und somit keinen neuen Grunderwerb benötigte. 

10.Oktober 1874: In dem neu gebildeten Standesamtbezirk der damaligen Gemeinden Dahlbruch, Hillnhütten und Müsen wurde die erste Eintragung gemacht. 

01. März 1884: Die Secundar-Eisenbahnlinie Kreuztal-Hilchenbach wird eröffnet. Der erste Zug war reichlich beflaggt und mit Kränzen geschmückt. Er wurde in Dahlbruch feierlich begrüßt. Vergessen waren die langen und schwierigen Verhandlungen der Gemeinde mit der Reichsbahndirektion, welche Dahlbruch keinen Bahnhof zugestehen wollte. Ein Zuschuss von 8000,- Reichsmark der Gemeinde war für die Genehmigung des Bahnhofes erforderlich. Die Gleise liefen damals an der Wittgensteiner Straße der B508 entlang. 

1884: Dahlbruch hatte eine Einwohnerzahl von 302, davon waren 60 Schulkinder. Es hatte 40 Wohnhäuser, in denen 55 Familien wohnten. 

1885: In diesem Jahre haben 16 sangesfreudige Männer den Dahlbrucher Männergesangverein aus der Taufe gehoben. 

1886: Die Gebr. Klein bauen ein eigenes Verwaltungsgebäude in Dahlbruch. 

01. Dezember 1887: Der MGS (Männergesangverein) St. Augustinus Dahlbruch wird in Stift Keppel gegründet. 

25. Februar 1888: Die bis dahin offene Handelsgesellschaft der Gebrüder Klein wurde in eine Aktiengesellschaft umgewandelt. Auch der Name wurde in „Maschinenbau Aktiengesellschaft von Gebr. Klein in Dahlbruch“ geändert. 

1888: Die Gebr. Klein haben 33 Beamte (so nannte man damals die Angestellten) und 294 Arbeiter beschäftigt. Dank dieser blühenden Industrie begann in Dahlbruch eine Zuwanderung aus dem benachbarten Wittgenstein und Hessen. 

02.Juli 1889: Der Turn- und Sportverein Dahlbruch wird im Setzer’schen Gasthaus, heute Dahlbrucher Hof, von 30 Mitgliedern gegründet. Wilhelm Neus wurde zum 1. Vorsitzenden gewählt. 

1891: In Dahlbruch wird die Hundesteuer eingeführt.

1891: Die ersten Zusammenkünfte der ev. Gemeinschaft finden im Neus’schen Hause auf dem Dahlbruch statt. 

1892: In Dahlbruch wird eine Totenfrau berufen. Die Einsargung der Toten unter 16 Jahren beträgt M 1,50 und für über 16 Jährige M 2,-. 

Juli 1892: Die Winterbach schloss sich der Schulgemeinde Dahlbruch an. Dahlbruch hatte nun 68 Schulkinder. Die Winterbacher hatten zuvor die Kinder in die Müsener Schule geschickt. 

1894: Der Gemischte Chor der Evangelischen Gemeinschaft Dahlbruch wird gegründet. 

28.September 1894: Die kath. Kirchengemeinde mit Sitz in Dahlbruch wird vom Bistum in Paderborn zu einer Pfarrei erhoben. Sie hat vorher nur den Charakter einer Missionspfarrei gehabt. Der Bischof von Paderborn, Dr. Hubertus Simar, unterzeichnete am 28. September 1894 die Errichtungsurkunde. Da die vollständige Deckung des Pfarrergehalts wegen eines “gnadenweise und jederzeit widerruflichen Zuschusses” der Stifte Gesecke-Keppel, den man in die Besoldung eingerechnet hatte, nicht sichergestellt schien und wieder einmal Anlass zu staatlichen Vorbehalten gab, folgte nicht unmittelbar darauf die staatliche Genehmigung der katholischen Pfarrei St. Augustinus Keppel, wie der offizielle Name lautete. 

02.Oktober 1895: Der Bischof von Paderborn, Dr. Hubertus Simar, unterzeichnet eine Garantieerklärung, in der als Nachtrag zur Errichtungsurkunde erklärt wird, dass das Bistum im Falle eines Ausfalls die Zahlung des Mindestgehalts übernimmt. 

11.November 1895: Die Kgl. Regierung, Abteilung für Kirchen- und Schulwesen, in Arnsberg, bestätigt die vom Bistum Paderborn am 28. September 1894/ 2. Oktober 1895 kirchlicherseits ausgesprochene Errichtung der kath. Pfarrgemeinde Keppel, bestätigt die „ertheilte Ermächtigung“ und setzt sie in Vollzug. 

01.März 1896: Die Verantwortlichen der Gebr. Klein beschlossen in Riga, der Hauptstadt Lettlands (was damals zu Russland gehörte) eine Zeigniederlassung zu gründen. 

1898: In diesem Jahr wurde die Schule um einen Klassenraum erweitert. Zugleich wurde die zweite Lehrerstelle besetzt, denn es waren 116 Schüler vorhanden. 

1899: In diesem Jahr wurde durch Dechant Kaspar Vollmer aus Netphen der Grundstein für die neu zu errichtende katholische Pfarrkirche gelegt. Patron ist der heilige Augustinus. Zur Finanzierung wurde zuvor eine staatliche Genehmigung für eine Hauskollekte in der gesamten Provinz Westfalen erteilt. 

1899: Die Einrichtung einer Feuerwehr verursacht folgende Ausgaben: 1. Spritze 980 M, 2.Spritze 600 M, 18 Löscheimer 36 M, 80 m Schlauch 136 M, 2 Haspeln 13 M, und 1 Petroleumlampe 15 M. Zusammen 1 780 M.